Wie kommt man bitte auf dieses schmale Brett? Alphaville beim einem Festival auszuladen, weil die Band angeblich „zu politisch“ sei, ist schon eine bemerkenswerte Leistung. Dass Alphaville politische Reden auf der Bühne hält, war mir neu. Dass die Band noch tourt, ehrlich gesagt auch. Aber offenbar reicht es inzwischen schon, Haltung zu zeigen, um bei den Glücksgefühlen als Störfaktor zu gelten.
In Zeiten, in denen Faschismus, Nationalismus, Homophobie und anderer menschenverachtender Unrat wieder salonfähiger werden, scheint das Festival ein besonders feines Gespür dafür zu haben, woran es sich stört: nicht an rechter Stimmungsmache, nicht an ausgrenzenden Tönen – sondern an einer Band, die sich politisch äußert.
Und dann kommt die unvermeidliche „Wir sind unpolitisch“-Nummer. Das ist keine Neutralität, sondern eine bequeme Ausrede. Wer politische Aussagen gegen Menschenfeindlichkeit aussortiert, trifft eine politische Entscheidung. Erst recht, wenn gleichzeitig Andreas Gabalier im Line-up steht. Ihn als Bestandteil eines „unpolitischen“ Programms zu verkaufen, während Alphaville angeblich zu politisch ist, wäre an Zynismus kaum zu überbieten.
Wann hat Alphaville denn bitte angekündigt, ausgerechnet die Bühne der Glücksgefühle für politische Statements nutzen zu wollen? Gibt es dafür auch nur einen konkreten Anlass – oder handelt es sich schlicht um eine Unterstellung und eine prophylaktische Ausladung? Und falls diese Entscheidung im Zusammenhang mit bevorstehenden Wahlen stehen sollte, wäre das nicht nur unerquicklich, sondern ein Versuch, durch die Programmgestaltung politische Stimmungen zu steuern.
So oder so: Dieses ganze Schmierentheater löst vor allem eines aus – eher Ekel als Glücksgefühle.
Aber wer bin ich schon? Vermutlich jemand, der das alles einfach nicht versteht, die guten Intentionen nicht erkannt hat und nur stänkern will. Nun ja – vielleicht mag ich einfach keine Kälbermärsche.