Ach, wie wunderbar innovativ unsere Konzertlandschaft doch geworden ist! Da kommt ein KonzertTicket-Mogul auf die glorreiche Idee, einfach mal sämtliche Hallen zusammenzukaufen – denn Monopoly geht ja bekanntlich über alles! Anschließend gründet er eine Veranstalterfirma, denn vorher muss natürlich alles Kaputtgemachte erst mal sorgfältig durch einen Karneval der Austauschbarkeit ersetzt werden – kreative Zerstörung, jetzt mit Herz und Gebührenaufschlag.
Musikalische Vielfalt? Ach was! Hauptsache, alles klingt gleich, damit auch der letzte Platz im betreuten Hören nicht versehentlich ins Grübeln gerät. Individualität wäre ohnehin ein Störfaktor – nicht, dass jemand noch nachdenkt, wohin eigentlich die ganzen Zusatzgebühren verschwinden.
Und sowieso, dieses Geschäftsmodell ist reinste Poesie! Tickets werden natürlich mit einer lückenlosen Gebührenkaskade verkauft – vom Verwaltungsschnickschnack bis zur berüchtigten „Weil-wir’s-können“-Pauschale. Der Clou: Man mietet ganz beiläufig noch die eigenen Hallen und kassiert an jedem Blinklichtpunkt doppelt – falls zwischen den Margen doch noch ein Cent verloren gehen sollte, wird eben eine neue Sonderabgabe erfunden. Ein Meisterwerk der Monetarisierung, Chapeau!
Und jetzt zum kulturell-kulinarischen Sahnehäubchen: das „coole Festivalfeeling“ deluxe! Camping auf Europaletten, stilecht am Bauzaun – wer will, zahlt Aufpreis für drei Halme Kunstrasen. Drei Nächte zwischen Dixie-Charme und Baustellenromantik – für den kleinen Boutique-Zuschlag ein ganz großes Erlebnis: Aussicht auf das Recycling-Depot, gratis dazu die Gewissheit, echte Authentizität stilvoll verhökert zu haben.Nichts sagt mehr „Festival“ als ein Latte Macchiato auf Palettenholz in der Premium-Lounge neben der Kloschlange.
Und natürlich gibt’s – das ist wichtig – an jeder Ecke Asia-Pfanne aus dem ewigen Warmhaltegerät, schließlich ist auch kulinarische Vielfalt in diesen Breitengraden eine Frage der konsequenten Gleichschaltung. Wer da keinen Holzlöffel für Instagram in die Hand nimmt, hat das Festival einfach nicht verstanden.
Für Leute, die von der mitreißenden Bühnenaktion ohnehin nichts mitbekommen: Überall monumentale Leinwände und glasklare Monitore, damit man fürs teure Ticket endlich das erleben darf, was man auch zu Hause auf dem Sofa könnte – Monitorstarren mit Stadion-Atmosphäre. Live vor Ort und trotzdem schon geistig im Stream, aber wenigstens mit exklusiver Zusatzgebühr auf die Pixel!
Und während das kollektive Highlight des Abends dem Verzehr von Discounter-Gemüse aus der Pappschale und dem Hochglanz-Blick auf die Übertragungsleinwand gehört, darf der Ticketmogul natürlich nicht fehlen: Medienwirksam jammernd verkündet er, dass alles künftig noch viel teurer werde – Irrsinn als Kunstform, Gebühren als Religion.
Ironie auf dem Ticket? Fehlanzeige! Sonst merkt am Ende noch jemand, dass das wahre Erlebnis längst am Monitor verkauft wird.
Dinge gibt’s… Wenn das Schule macht, verweigert der Paletten-Klatscher bald sogar die Kaution fürs Plastikbesteck. Applaus dann nur noch in der Leinwand-Experience-Zone – gegen Aufpreis, versteht sich.
Aber das kannst du dir echt nur ausdenken, würde ja auch niemand für so einen Quatsch bezahlen.
